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Es war die größte militärische Katastrophe der Neuzeit vor den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts und markierte einen Wendepunkt in der europäischen Geschichte: Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812. Von den 600.000 Soldaten, mit denen die Grande Armée im Juni 1812 in Russland einfiel, sollten 400.000 in grausamen Schlachten, durch Hunger, Erfrieren, Krankheit und Erschöpfung den Tod finden. 15.800 Mann war der württembergische Anteil an Napoleons Truppen, nur etwa 500 von ihnen kehrten in die Heimat zurück. 1813 schickte König Friedrich I weitere 11.600 Württemberger mit dem Kaiser der Franzosen ins Feld, von denen über 10.000 fielen.

Zu den wenigen authentischen Zeugnissen dieser traumatischen Kriegsperiode in Textform gehören die Aufzeichnungen des 1791 in Tuttlingen geborenen Heinrich von Vossler. Den großen Russlandfeldzug 1812, die Schlacht von Borodino, den zweiten Feldzug und die Schlacht bei Bautzen 1813, die anschließende Kriegsgefangenschaft in der heutigen Nordukraine – All dies schildert er in seinen, in den ausgehenden 1820er Jahre niedergeschriebenen, Kriegserinnerungen und den erhaltenen Originalaufzeichnungen aus dem Feld. Er berichtet nicht nur über die militärischen Bewegungen und Aktionen, sondern auch über seine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen sowie über äußere Ereignisse und Eindrücke wie die Landschaften und die Bevölkerung am Rande der Kriege und Heerzüge. In klarer und unprätentiöse Sprache beschreibt er anschaulich und unter die Haut gehend die Kriegsgräuel und schildert eindrücklich, wie die Kriegsbegeisterung zu Beginn des Einsatzes nach und nach an der Realität zerbricht und sich als katastrophales Trugbild entpuppt.

Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart hat in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Institut Moskau Tagebuch und Erinnerungen Vosslers nun erstmals im deutschen Original sowie in russischer Übersetzung verlegt, illustriert mit bisher kaum bekannten Aquarellen der Württemberger Christian von Martens und Christoph Ludwig von Yelin, die ebenfalls am 1812er Feldzug teilnahmen. Die Hölle eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte in Worte gebannt.

Mährle, Wolfgang und Sdvizhkov, Denis (Hg.): Unter Napoleons Adler im Krieg. Tagebuch (1812 – 1814) und Erinnerungen (1828 – 1829) des württembergischen Oberleutnants Heinrich von Vossler
Hardcover, 472 Seiten, Russisch/Deutsch, Verlag Novoe literaturnoe obozreni, Moskva (2017)
ISBN 978-5-4448-0568-8
28,60 EUR

Vossler