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Europa vor 170 Jahren: Der Kontinent entflammt im Kampf um liberale Reformen. Im „Völkerfrühling“ begreifen sich die Nationen erstmalig in internationaler Verbundenheit als Teil einer europäischen Gesamtströmung. Demokratische Ideen brechen sich Bahn. Doch der Wunsch nach Selbstbestimmung, Freiheit, Demokratie und Toleranz wird im Keim erstickt, alle völkischen Aufstände werden nach wenigen Monaten, teils blutig, niedergeschlagen. Der verängstigte Adel kämpft sich zurück, der finstere Absolutismus siegt noch ein letztes Mal, für genau 7 Jahrzehnte, über die lichten Höhen der Aufklärung.

Der Traum von Freiheit hielt auch in Württemberg nur einen Sommer lang.  Am 17. Januar 1849 ist das Königreich der erste Territorialstaat im Deutschen Reich, der die von der Frankfurter Nationalversammlung verabschiedeten liberalen Grundrechte in geltendes Recht umsetzt. Die 1848/49er Revolution im Königreich Württemberg verlief, im Vergleich zur benachbarten Pfalz oder zum Großherzogtum Baden, eher undramatisch und gemäßigt. Am 24. April erkennt in Stuttgart König Wilhelm I auf starken öffentlichen Druck als einziger deutscher Fürst auch die neue Reichsverfassung an. Ein politischer und gesellschaftlicher Umbruch in Württemberg, der bis heute nachwirkt.

Stuttgart war in diesen Wochen der Kulminationspunkt der ersten deutschen demokratischen Revolution und letztendlich auch der Ort, an dem 1849 der Traum eines gesamtdeutschen, frei gewählten Parlaments endgültig scheiterte: Anfang Juni 1849 tagte ein letztes kleines Häuflein der, auf militärischen Druck aus Frankfurt geflohenen, Parlamentarier der ehemaligen Nationalversammlung, nun zusammengestutzt zum „Rumpfparlament“, letztmals in Stuttgart. Noch im selben Monat wird die Versammlung vom württembergischen Militär aufgelöst. Schon nach wenigen Wochen war das Kartenhaus der ersten deutschen demokratischen Regierung wieder in sich zusammengestürzt.

Einen hervorragend recherchierten und spannend geschrieben Überblick zu den Ereignissen in Württemberg vom Vormärz bis zum Scheitern der Revolution gibt der vorliegende Band der Bibliothek Schwäbischer Geschichte:

Back, Nikolaus: Revolution in Württemberg 1848/49 – Historie, Gesellschaft, Schicksale
Bibliothek Schwäbischer Geschichte Band 5
Paperback, 256 Seiten, zahlreiche Illustrationen,
Lauinger Verlag / Der Kleine Buchverlag
ISBN 978-3-7650-8446-1
14,90 EUR

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Der eine Diplomat in Napoleons Diensten und Armenarzt in Hamburg, der andere in höchster Stellung beim württembergischen Militär und Innenminister, der dritte Oberamtsarzt in Weinsberg, Freund Ludwig Uhlands und Mitglied der Romantischen Schwäbischen Dichterschule- drei ungleiche Brüder, die in den politisch bewegten Zeiten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren ureigenen Weg gingen und alle drei Spuren in der deutschen Geschichte hinterlassen haben: Justinus, Karl und Georg Kerner.

Welch schwäbische, welch deutsche Familiengeschichte:

Gromes, Hartwig und Huby, Felix: Die Kerners – Eine Familiengeschichte
Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten, bedruckter Vor- und Nachsatz mit 1 Illustration, Verlag KlöpferMeyer
ISBN 978-3-86351-462-4
24,00 EUR

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Ein brillantes Gemälde der Ereignisse in den Revolutionsjahren in Süddeutschland zeichnen die Memoiren von Carl Schurz, kurzweilig geschrieben und spannend wie ein Hollywood-Thriller. Er war einer der Vordenker einer liberal bürgerlichen und doch konstitutionell monarchistischen Staatsform, die, wäre sie 1848/49 in Europa institutionalisiert worden, vielleicht die beiden Weltkriege als Urkathastrophen des 20. Jahrhundert hätte verhindern können. Seine Lebenserinnerungen zeigen den Weg von der Protestbewegung zur Revolution 1848/49, als in Süddeutschland die Unabhängigkeitsbewegung mit dem Ziel eines demokratischen Umsturzes im Rahmen einer schwärmerisch verklärten, historisch verwurzelten monarchistischen Verfassung auf die Barrikaden ging.

Als die Revolution scheitert flüchtet Schurz 1852 in die Neue Welt, nach Amerika. Hier schreibt er als Journalist für deutsche Zeitungen, unterstützt Abraham Lincoln im Wahlkampf um die Präsidentschaft und macht politische Karriere – zuerst als Botschafter in Spanien und später als Regierungsbeobachter im amerikanischen Bürgerkriegs. Als Senator von Missouri und amerikanischer Innenminister stößt er schließlich in die höchsten Kreise der amerikanischen Gesellschaft vor und ist heute in USA bekannter als in Deutschland.

Eine beispiellose Karriere im 19. Jahrhundert:

Göske, Daniel (Hrsg.): Carl Schurz – Lebenserinnerungen Mit einem Essay von Uwe Timm, 2 Bde., zus. 1.276 Seiten, Leinen, Lesebändchen, Schmuckhülse, Wallstein Verlag
ISBN: 978-3-8353-1582-2
39,00 EUR

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Arm, enggeistig, unfrei – so charakterisiert Jakob Friedrich Schöllkopf das Leben in der schwäbischen Kleinstadt Kirchheim unter Teck zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ebenso mag es der kleine Friedrich Tritschler damals dort empfunden haben. Zwei rebellische Geister brechen auf, um die Welt zu verändern – der eine als Revolutionär und Demokrat, der andere als zukünftiger Industriemagnat. Für beide gab es nur einen Ausweg: die Auswanderung nach Amerika, für die Querdenker der gescheiterten Revolution ein verheißungsvolles Land, dass sich bereits 70 Jahre zuvor von der ewiggestrigen Alten Welt losgesagt hatte als die 13 ehemals britischen Kolonien in Amerika mit ihrer Unabhängigkeitserklärung die Vereinigten Staaten von Amerika gründeten. Goodbye Deutschland, für Schöllkopf mit der klaren Vision, in den Vereinigten Staaten einen wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb aufzubauen. Für Friedrich Tritschler, der öffentlich in Württemberg Freiheit für das Volk und Demokratie zu fordern gewagt hatte, war der Antrieb für die Auswanderung ein anderer, unfreiwilliger, notgedrungener: Flucht vor Repression. Der eine scheitert, der andere triumphiert.

Zwei Lebenswege, zwei Rebellen, zwei Geschichten vom Wunsch nach Freiheit:

Mohr, Joachim: Der Revolutionär, der Kapitalist und das Streben nach Glück.
Hardcover mit Schutzumschlag, 160 Seiten, 4 s/w Abbildungen, Verlag KlöpferMeyer,
ISBN 978-3-86351-468-6
20,00 EUR

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