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Er war vielleicht weltweit der bekannteste Mensch seiner Zeit, mit Sicherheit aber der bekannteste Wissenschaftler im beginnenden 19. Jahrhundert. Sein Leben liest sich wie ein Abenteuerroman und seine Forschungsreisen haben in vielen naturwissenschaftlichen Bereichen die Welt nachhaltig beeinflusst. 2019 wurde sein 250. Geburtstag gefeiert und dieser Tage geht in Berlin eines der größten Bauvorhaben der Nachkriegsgeschichte, nach ihm benannt, an den Start. Hunderte Tierarten, unzählige Plätze, Straßen und Städte auf der ganzen Welt und sogar ein steinernes Meer auf dem Mond tragen seinen Namen – Alexander von Humboldt, Ikone der Wissenschaftscommunity seit 200 Jahren. Wer war dieser große Naturforscher?

Er postulierte ganz und gar visionär, dass die Erde ein lebender Organismus sei, in dem alles miteinander verbunden ist. Und er war einer der Ersten, der vor einem menschenverursachten Klimawandel warnte. Der letzte in einer Reihe großer Universalgelehrter, die uns lehrten zu begreifen, die Welt und den Kosmos als Ganzes zu sehen. Schiller irrte gewaltig in seiner Einschätzung „Humboldt würde nie etwas Großes leisten, weil er ständig mit zu vielen Dingen beschäftigt sei“. Gerade weil er die Naturwissenschaften von Grund auf neu dachte und neu vernetzte, interdisziplinäre Grenzzäune einriss und das geisteswissenschaftliche Korsett seiner Zeit sprengte, gilt Alexander von Humboldt, dessen Geburtstag sich am 14. September 2019 zum 250. Mal jährte, als der vielleicht größte naturwissenschaftliche Forscher und Vordenker aller Zeiten, der bis heute unsere Weltsicht nachhaltig geprägt hat.

1799 bricht er zu seiner legendären Reise nach Südamerika auf, die das Naturverständnis nachhaltig verändern sollte. Er bestieg die höchsten Vulkane und barg Mineralien aus den Tiefen der Bergwerke, er entdeckte unscheinbare Pflanzen und prächtige, vorher nie gesehene Tiere, er kartografierte erstmals eine Vielzahl von Flussläufen und Bergformationen, erforschte die Tektonik der Erdplatten und die Klimazonen. Er erfasste akribisch, was andere übersehen oder nicht für wichtig gehalten hatten, stellte bis dahin nicht erkannte Zusammenhänge her und war der erste, der den Mensch gemachten Klimawandel wissenschaftlich thematisierte – ein früher Mahner gegen die Ausbeutung der Natur. Er lieferte Blaupausen, auf die ganze Forschergenerationen, ihre Theorien gründeten und wies auf die Wechselwirkungen hin, die eine menschliche Eingriffe in die Natur verursachen.

Doch nicht nur seine revolutionären Naturforschungen sind epochal, er gilt nach Ansicht vieler auch als der wahre Entdecker Südamerikas – weil er eben nicht auf der Suche nach Gold und Reichtum, sondern nach Naturschätzen und Kultur war, nicht zuletzt als Freund und Unterstützern des Unabhängigkeitskämpfers Simon Bolivar. Entdecken und erforschen, Erkenntnisgewinn durch Reisen war seine Devise. Seine Expeditionen führten ihn vom Orinocobecken bis zu den eisbedeckten Gipfeln der Anden, aber auch in die kirgisische Steppe und ins Altaigebirge. Er speiste mit Kaisern und Königin, diskutierte mit Präsidenten, stand in regem Briefwechsel den geisteswissenschaftlichen Größen seiner Zeit. Alexander von Humboldt war ein Generalist, ein Universalgelehrter und vor allem eines: Ein Menschenfreund.

Einer der, vollkommen unüblich für seine Zeit, wissenschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle und politische Aspekte und Interessen verknüpfte und gegeneinander abwog. Einer, der durch seine unkonventionelle Herangehensweise Großes geleistet hat. Wie gut, dass Schiller hier irrte …

Aus der Vielzahl der zum Jubiläumsjahr erschienenen Veröffentlichungen zur Person Alexander von Humboldts, seinen Reisen und seinen Forschungen, stechen nachfolgende Bücher besonders heraus.

Faszinierende Zusammenstellung von historischen Abbildungen, originalen Zeichnungen, Karten und Auszügen aus Humboldts Reisetagebüchern zu seiner legendären Südamerikareise, ergänzt mit informativen Texten:

Kulke, Ulli:
Alexander von Humboldt. Reise nach Südamerika
Hardcover, 144 Seiten, Frederking & Thaler Verlag,
ISBN 978-3-95416-303-8
19,99 EUR  

Humboldts zweite, bis heute zu unrecht wesentlich weniger beachtete, große Expedition führte ihn 1829 nach Russland. Auf Einladung Nikolaus‘ I. reiste er 18.000 Kilometer bis an die chinesische Grenze. Der Naturforscher reflektierte hierbei nicht nur Natur, Land und Leute sondern auch die politischen Zustände im Zarenreich:

Lubrich, Oliver (Hrsg.):
Alexander von Humboldt. Die Russland-Expedition
Klappenbroschur, 220 Seiten, C.H.Beck,
ISBN 978-3-406-73378-9
18,00 EUR

Dieses wundervoll illustrierte Lesebuch begeistert nicht nur Kinder! Humboldts Reiselust, seine wissenschaftlichen Entdeckungen, seine Erkenntnisse über das Netzwerk des Lebens, sein Austausch mit mit den großen Persönlichkeiten seiner Zeit, alles verständlich spannend, und für die junge Zielgruppe gut nachvollziehbar dargestellt:

Mehnert, Volker (Hrsg.) und Lieb, Claudia (Illustration):
Alexander von Humboldt oder die Sehnsucht nach der Ferne
Hardcover, 112 Seiten, Gerstenberg,
ISBN 978-3-8369-5999-5
25,00 EUR

Im Jahr 1847 startet der walisische Autodidakt Henry Walter Bates eine Reise ins Amazonasgebiet um auf Grundlage von Humboldts Reisebeschreibungen den Ursprung der Arten zu erforschen. Das Ergebnis dieser Expedition waren mehr als 14.000 dokumentierte Arten, 8.000 davon erstmalig wissenschaftlich beschrieben. Das spannende Leben eines Amazonas-Forschers Mitte des 19. Jahrhunderts belegen seine eindrucksvoll illustrierten Tagebücher, deren Faksimile-Reproduktion samt Übersetzungen in einer bibliophilen Ausgabe erschienen sind:

National History Museum (Hrsg.):
Die Amazonas-Tagebücher, Henry Walter Bates‘ Zeichnungen & Reiseberichte
Hardcover, 160 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, Haupt Verlag,
ISBN 978-3-258-08198-4
24,00 EUR

Last but not least: Das Standardwerk zu Humboldts abenteuerlichem Leben und bis heute radikalen Wirken, die monumentale Biografie des Universalgenies. Spannend dargestellt, brillant geschrieben, facettenreich aufbereitet und umfassend recherchiert – nicht zu Unrecht ein Weltbestseller:

Wulf, Andrea:
Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur
Hardcover mit Schutzumschlag, 560 Seiten, 8-seitiger Farbbildteil, 69 s/w-Abb., 3 Karten, C. Bertelsmann,
ISBN 978-3-570-10206-0
24,99 EUR

Weitere lesenswerte Bücher über große Denker und Weltveränderer – nicht nur aber auch aus dem Schwabenland – gibt’s auf meinem #Literaturblog unter frischvomstapel.de

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Beitragsbild: Portrait Alexander von Humboldt (Ausschnitt) von Friedrich Georg Weitsch (1806)

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